Nach Berichterstattung: WGL und Stadt bestätigen zentrale Kritikpunkte der Linken Leverkusen
Nach der Berichterstattung in der Rheinischen Post und im Kölner Stadt-Anzeiger (siehe unten) haben die WGL Wohnungsgesellschaft Leverkusen GmbH und die Stadt Leverkusen auf unsere Anfrage zum Projekt „Sternhäuser“ in Rheindorf vom 10.02.2026 geantwortet.
Fachargumente ersetzen keine Antworten
Einleitend wird auf die Arbeit „dutzender Fachleute“ verwiesen und ein „respektvoller Umgang“ eingefordert. Darin steckt mehr als nur eine Beschreibung des Planungsprozesses. Es wird nahegelegt, dass Fragen und Kritik von Bürger:innen vor allem aus mangelnder fachlicher Kompetenz resultiere und deshalb weniger Gewicht haben. Gleichzeitig wird der Protest relativiert. Der Unmut wird auf direkt Betroffene eingegrenzt, während Zustimmung hervorgehoben wird. Damit wird der eigentliche politische Konflikt zu einem Randthema erklärt. Aber hier geht es unseres Erachtens nicht um Einzelfälle, sondern um die grundsätzliche Frage, welche Rolle ein kommunales Wohnungsunternehmen bei einer sozial gerechten Stadtplanung spielen sollte.
Dass ein Projekt dieser Größenordnung von Fachleuten erarbeitet wird, sollte unseres Erachtens nach selbstverständliches Minimum verantwortungsvoller Planung sein. Entscheidend für uns ist jedoch, ob in der Planung die sozialen Dimensionen von Beginn an mitgedacht und verbindlich berücksichtigt werden. Genau diese zentrale Frage bleibt weiterhin unbeantwortet, weder von der Stadt, noch von der WGL wurden - trotz Nachfrage - Informationen dazu bereitgestellt.
Neubau im oberen Preissegment löst das Problem nicht
Die WGL bestätigt selbst, dass die frei finanzierten Wohnungen im oberen Preissegment liegen werden. Gleichzeitig werden 140 bestehende Wohnungen abgerissen. Der behauptete Zuwachs an Wohnraum findet damit, wie von uns vermutet, vor allem in einem Segment statt, das für viele Menschen nicht bezahlbar ist. Der Verweis der WGL auf die 40 geförderte Wohnungen mit WBS B ändert daran wenig. Diese richten sich an Einkommensgruppen, die deutlich oberhalb derjenigen liegen, die aktuell besonders stark vom Wohnungsmarkt unter Druck stehen. Ob hier tatsächlich zusätzlicher bezahlbarer Wohnraum entsteht oder lediglich bestehender ersetzt wird, bleibt offen.
Keine Antworten für die betroffenen Mieter:innen
Noch gravierender ist der Umgang mit den Mieter:innen der Sternhäuser. Auf Fragen nach Rückkehrmöglichkeiten, zukünftigen Mieten oder Umzugskosten wird keine Auskunft gegeben. Stattdessen wird auf „interne Rechtsverhältnisse“ verwiesen.
Die Stadt plant demnach offensichtlich über ihre eigene Gesellschaft den Abriss von Wohnungen, trifft aber keine öffentlich nachvollziehbaren Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen die betroffenen Menschen künftig wohnen sollen. Das erweckt so eher den Anschein eines Gentrifizierungsprojektes. Stattdessen brauchen wir eine sozial gerechte Stadtentwicklung, die den Bedarf der aktuellen Mieter:innen bei der Planung respektiert.
Probleme werden verschoben statt gelöst
Die Unsicherheit über die Planung betrifft nicht nur die Mieter:innen der Sternhäuser, mit der Zentralen Lage am Verkehrsknotenpunkt in Rheindorf sind ein vielfaches an Menschen betroffen. Dies erfordert eine ganzheitliche Planung unter Einbindung des vorhandenen öffentlichen Nahverkehrs.
Potentiell drohende Verkehrsprobleme werden mit Verweis auf ein Gutachten zurückgewiesen, ohne die von Anwohner:innen geschilderte Realität ernsthaft aufzugreifen. Fragen zur sozialen Infrastruktur werden in spätere Verfahren verschoben. Die Fällung von 146 Bäumen wird als „unvermeidbar“ bezeichnet, ohne konkret darzulegen, wie der ökologische Verlust ausgeglichen werden soll.
Die Linke ist nicht gegen Neubau, sondern für bezahlbaren Wohnraum
Unsere Fragen und unsere Kritik werden derzeit verzerrt dargestellt. Der Versuch, sie pauschal als Ablehnung von Neubau umzudeuten, greift bewusst zu kurz und lenkt von den eigentlichen Problemen ab. Leverkusen braucht zusätzliche bezahlbare Wohnungen. Aber bauen, bauen, bauen alleine löst das Wohnungsproblem nicht automatisch. Entscheidend ist maßgeblich, in welchem Preissegment gebaut wird, darauf weisen wohnungspolitische Analysen seit Jahren hin.
Es geht deshalb hier nicht um ein pauschales „Ja oder Nein“, sondern um klare Kriterien, die für uns für jedes wohnungspolitische Projekt gelten, unabhängig davon, wo und von wem gebaut wird: bezahlbare Mieten, Schutz bestehender Nachbarschaften und verlässliche Perspektiven für die Menschen, die heute dort wohnen.
Wenn überwiegend Wohnungen im oberen Preissegment entstehen und gleichzeitig bestehender, vergleichsweise günstiger Wohnraum verschwindet, verschärft sich die Situation für viele Menschen weiter. Gerade ein kommunales Unternehmen wie die WGL trägt hier eine besondere Verantwortung. Es ist nicht akzeptabel, soziale Fragen aus dem Verfahren auszuklammern oder als „interne Angelegenheiten“ zu behandeln. Wer den Wohnungsmarkt wirklich entlasten will, muss dafür sorgen, dass neuer Wohnraum auch für breite Teile der Bevölkerung bezahlbar ist.
An diesem Maßstab werden wir dieses Projekt weiterhin messen.
Quellen: Rheinische Post, 22.03.2026, „Linke legen Einspruch gegen Sternhäuser-Pläne ein“ https://rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/leverkusen-linke-legen-einspruch-gegen-sternhaeuser-plaene-ein_aid-145633671
Kölner Stadt Anzeiger, 24.03.2026; „Widerstand gegen Abbruch der Sternhäuser wird breiter“ https://www.ksta.de/region/leverkusen/stadt-leverkusen/leverkusen-widerstand-gegen-abbruch-der-sternhaeuser-wird-breiter-1249990
Bebauungsplan Nr. 281/I „Rheindorf - zwischen Königsberger Platz, Elbestraße, Solinger Straße und Memelstraße" - Anfrage des Bezirksmitglieds Gregor Nick (Die Linke) vom 23.02.2026 mit Stellungnahme vom 02.04.2026
https://ris.leverkusen.de/getfile.asp?id=188920&type=do
Wirtschaftswoche, 29.12.2025; Die drei Irrtümer der Wohnbaupolitik https://www.wiwo.de/finanzen/immobilien/pro-contra-immobilien-die-drei-irrtuemer-der-wohnbaupolitik/100180143.html
Berliner Mieterverein; Bau-Turbo: Scheinlösung mit hohen Risiken https://www.berliner-mieterverein.de/aktuelles/newsletter/bau-turbo-scheinloesung-mit-hohen-risiken.htm
Podcast-Empfehlung: Deutschlandfunk; 09.02.2026; „Was sich ändern muss, damit Wohnen wieder bezahlbar(er) wird“ https://www.deutschlandfunk.de/peter-burk-bezahlbares-wohnen-100.html
